Interview mit Familie Sinnig von Opossum Design

Design mit einem Augenzwinkern

Heike und Uwe Sinnig erklären im Interview ihren Blick auf Design und was sie zu ihren außergewöhnlichen Designstücken bewegte.

Materialien und Formen waren für Heike und Uwe Sinnig immer schon spannend. Seit vielen Jahren interpretieren sie Form und Rohstoff neu und schaffen damit wunderbar ironische Einrichtungsgegenstände, die beim zweiten und dritten Blick immer wieder neue Facetten erkennen lassen.  Schon in der Wahl ihres Firmennamens bewiesen die beiden Unternehmer Humor. Die humorvollen Benennungen ziehen sich bis heute auch in die Produkt Benennungen durch. Kreative leben gerne in ihren Werken. So stellen sich auch Heike und Uwe Sinnig ungern in den Vordergrund. Die beiden haben aber durchaus etwas zu erzählen. Ein Interview durfte ich also führen. Ein Foto gab´s nicht. Vielleicht ändert sich das ja, wenn Spendenhandel die Produktion besuchen wird. Hier also das Interview.

 

Die Öllampe Edisun von Opossum Design

Die Öllampe Edisun von Opossum Design

Familie Sinnig, sie Beide sind Opossum Design. Opossum Design ist im Gegensatz zu den meisten Namen ihrer Produkte kein selbsterklärender Begriff. Wie kamen sie vor 15 Jahren auf den Namen?

Uwe Sinnig:

Um uns nicht einzuengen und auch etwas zu provozieren haben wir ganz bewusst einen Namen gewählt, bei dem man stutzig wird, der eigentlich nichts mit Design zu tun hat, der provoziert, Fragen aufwirft. Schließlich sind wir beim Opossum gelandet, eine Gattung, die sehr unterschiedlich ist: In Australien werden sie geliebt und gefüttert. Es gibt Flug-Opossums, die von Baum zu Baum gleiten, es gibt aber auch Opossum-Arten, die in einigen Gegenden bei manchem nicht ganz so beliebt sind. Wir möchten mit unseren Produkten auch nicht Jedem gefallen. Entweder man mag sie oder man mag sie nicht. Die Geschmäcker sind unterschiedlich, und das ist gut so.

Heike Sinnig:

Als Firmenmaskottchen haben wir natürlich die verhätschelte Australien-Variante gewählt…

Opossum Design war für mich erstmal die Edisun eine Öllampe. Edisun von Thomas Edison, dem Erfinder der Glühlampe. In vielen ihrer Entwürfe sehe ich Formen, die mir bekannt vorkommen. Sie scheinen mit einem Augenzwinkern neu zu interpretieren. Wie wichtig ist ihnen das Augenzwinkern?

Uwe Sinnig:

Wir versuchen, an Produkte anders heranzugehen, nicht nur eine Formveränderung vorzunehmen. Zum Beispiel ediSUN: Wir hatten nach einer Idee als Weihnachtsgeschenk

Vase Sextette von Opossum Design.

Vase Sextette von Opossum Design.

für Freunde gesucht. Weihnachten hat etwas mit Tradition, Romantik, Kerzenschein zu tun. ediSUN ist aus dem Wortspiel Öl-Lampe – Glüh-Lampe entstanden. Nur eben, dass wir die traditionelle Glühlampe auf eine andere Art zum Leuchten gebracht haben. Mit einem Augenzwinkern. Und das ist uns bei vielen Produkten wichtig. Man sollte sich nicht zu ernst nehmen.

 Sie leben und arbeiten in Weitiswerda in Thüringen. Das ist eine Gegend, die landschaftlich die Seele streichelt. Ist die Umgebung für ihre Entwürfe wichtig?

Uwe Sinnig:

Für die Entwürfe spielt die Gegend eigentlich keine Rolle.

Kreativität ist (meist) ein nüchterner Prozess, beinhaltet Andersdenken, Sachen in Frage zu stellen, nach anderen Lösungen zu suchen. Anregungen von außen können schon eine Rolle spielen, bei manchen Firmen und Designern spielen sie aber mitunter die Hauptrolle mit dem Resultat, dass man dann plötzlich Ähnliches oder Kopien entdeckt. Philipp Starck hat einmal gesagt: Man sollte lieber ein gutes Buch zur Hand nehmen anstatt Design-Magazine zu studieren.

Heike Sinnig:

Zum Arbeiten und Entspannen kann die Gegend schon eine Rolle spielen, insbesondere im Sommer, wenn man seinen Arbeitsplatz ins Freie verlagern kann. Da arbeitet man gern auch das Wochenende durch.

Bei Opossum Design verlässt nur höchste Qualität das Haus. Zeitloses Design in nahezu unvergänglicher Qualität sind ihre Markenzeichen. Stoßen sie mit diesem Anspruch manchmal an Grenzen?

Uwe Sinnig:

Wir mögen nicht kurzlebige Produkte, die einem modischen Trend unterliegen. Nicht jede Idee, nicht jeder Entwurf kann optimal für eine noch bezahlbare Produktion umgesetzt werden.

Bei dem einen oder anderen Produkt waren schon Kompromisse zwischen Ideal, Realisierbarkeit Kosten notwendig. Viele Ideen wurden (noch) nicht realisiert, weil mitunter die richtigen Partner mit den richtigen Preisen fehlen, es an der entsprechenden Zeit zum Ausarbeiten vieler Ideen mangelt.

Wenn man ihnen beiden in die Augen sieht, merkt man Opossum Design ist ihr Leben. Die Familie Sinnig ganz privat. Was macht ihnen Freude?

Heike Sinnig:

Mit liebgewonnenen Freunden zusammensitzen, gemeinsam grillen (gern auch vegetarisch), die Sonne genießen, nicht nur im Sommer. Das Rauschen der Wellen an der Ostsee oder der Birkenblätter im Wind auf dem heimischen Grundstück zu hören.

Uwe Sinnig:

… und mit dem Kajak auf der Bleiloch paddeln. Entspannung pur, nur leider zu selten.

Familie Sinnig sie arbeiten seit vielen Jahren mit Zulieferern aus ihrer Region. Jetzt seit Neuestem auch mit einem griechischen Zulieferer. Nach welchen Kriterien suchen sie sich ihre Partner aus?

Uwe Sinnig:

Qualität-Preis-Leistung spielen schon eine wichtige Rolle. Schließlich wollen wir nicht in Schönheit sterben. Wenn es möglich ist, mit Zulieferern in unserer Nähe. Hier hat man einfach den Vorteil der kurzen Wege, kann Sachen schnell einmal ausprobieren.

Heike Sinnig:

Es macht einfach mehr Spaß, wenn man weiß, wer die Teile herstellt und vor allem auch wie. Es braucht einem nicht ein schlechtes Gewissen zu plagen bezüglich Arbeitsbedingungen, Ausbeutung. Und es ist ein kleiner Beitrag für Arbeitsplätze bei uns und in Europa.

Seit der Krise in Griechenland ist dieses Land für viele tabu. Die große Mehrheit der Bevölkerung kann nichts für die Situation. Wir sind der Meinung, dass man am besten mit Aufträgen in diesen Regionen helfen kann. Von der Qualität waren wir angenehm überrascht, vom ersten Muster bis zur Serien.

Sie beide sind ein eingespieltes Team. Welches Erfolgsrezept haben sie, um täglich miteinander erfolgreich zu arbeiten und gemeinsam zu leben?

Uwe Sinnig:

Unser Gebäude und unser Grundstück sind relativ groß… die Aufgabenfelder teils verschieden. Man muss nicht ständig „aufeinander hocken“. Geschäftliche „Raufereien“ (wie Designanspruch und Kalkulation) nimmt man dann schon ins „Private“ mit, dem muss man sich bewusst sein.

Der Kerzenständer A-La-Froebel wirkt ist so wandelbar wie Bauklötze, erinnert mich an Erzgebirge und Bauhaus und macht einfach nur Spaß. Spielen und Herkunft. Kann man ihre Entwürfe damit umschreiben?

Uwe Sinnig:

Diesen Entwurf sicher, ist Froebels Geburtsort doch nur 25 km Luftlinie entfernt und Fröbel ist nicht nur für Kindergarten sondern auch für Holzspielzeug in Grundformen bekannt. Viele sehen Fröbel als einen der Wegbereiter des Bauhauses.

Meine Wurzeln sind aus dem Vorland des Erzgebirges: in Chemnitz. Meine Ausbildung als Formgestalter an der Burg Giebichenstein war wesentlich vom Bauhaus geprägt, mussten wir als Studenten noch jedes Formdetail, jede Materialauswahl, jeden Radius funktional begründen. Da darf heute schon etwas Spaß dazukommen. Form follows function – and fun.

Spendenhandel  Kunden kaufen verantwortungsvoll produzierte Produkte und tun damit Menschen Gutes, die nicht vom Leben verwöhnt sind. Wo ist es ihnen wichtig Gutes zu tun?

Heike Sinnig:

In erster Linie den Menschen hier vor Ort helfen, indem wir viel mit einheimischen Firmen arbeiten und somit auch Arbeitsplätze in der Region sichern, indem wir regionale Vereine unterstützen, somit das Leben hier attraktiv halten und junge Menschen im ländlichen Raum eine Zukunft sehen.

 

 

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2 Responses to “Interview mit Familie Sinnig von Opossum Design”

  1. Biggi Mestmäcker3. Dezember 2013 at 22:23 #

    Liebe Familie Sinnig, Ihr Design sollte heißen wie sie: Sinnig. :-) Denn das ist es ja auch. Die Vase ist großartig und die Öllampe einfach nur genial. Ich freu mich darauf, mehr davon hier im Shop zu sehen.
    Liebe Kirsten, es hat sich viel getan, ich gratuliere! Und ich wünsche dir viel Erfolg!

    • Kirsten Hermes3. Dezember 2013 at 22:31 #

      Danke liebe Biggi! Es hat sich viel getan… und es wird und muss sich noch viel tun! Opossum Design wird mehr werden. Ja! Die Sinnigs sind tolle Menschen mit tollen Ideen für tolles Design!

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