Franziska von Drachenfels im Interview mit Spendenhandel

Kirsten von Spendenhandel trifft Franziska von Drachenfels in ihrem Atelier in Pforzheim.

Mitten in der Kollektionsübergabe hat sich Franziska von Drachenfels an einem wunderschönen Sommertag einen ganzen Vormittag Zeit genommen, um Spendenhandel ein Interview zu geben. Wir sprachen bei gefühlten zehn Espressi über Franziskas Vision von Schmuck, ehrliche Arbeit und den Stoff aus dem die Drachenträume sind. Vielen Dank für dieses berührend, ehrliche Interview liebe Franziska!

Wann wurde die Firma Drachenfels Design gegründet?

F. v. Drachenfels: 1995, da habe ich mich selbsständig gemacht. Daraus hat sich dann quasi Drachenfels Design entwickelt.

Dann dürfen wir uns ja 2015 sicher auf eine fulminante 20 Jahr Feier  freuen oder?

F. v. Drachenfels: Mit Sicherheit werden wir unsere 20 Jahre feiern! Bis jetzt hat Drachenfels Design noch jeden Grund zum Feiern genutzt! (lacht) Aber 2015 ist ja noch ein Weilchen hin.

Von wo aus hast du dich denn 1995 selbstständig gemacht?

F. v. Drachenfels: Von der Küche aus.

Du bist in deiner Küche gesessen und hast designt und bearbeitet und sprichwörtlich geschmückt?

F. v. Drachenfels: Das ist  ganz klassisch Pforzheim. Da hatte jeder Goldschmied in der Küche, weil dort sind ja die Kacheln,  sein Goldschmiedetischchen gehabt. Bei mir war das nicht anders. Das ist nicht sehr hygienisch (lacht) Säure direkt neben dem  Herd. Aber ja, so habe ich aus der Küche heraus angefangen  Hattest du damals 1995 schon Kinder? F. v. Drachenfels: Ja ich hatte! Meine Tochter ist heute 25 Jahre alt.

Das  heißt du hattest eine kleine Tochter, ein Baby, und hast von der Küche aus gearbeitet.

F. v. Drachenfels: Ja mein Weg war immer zwischen Küche und Laufställchen.

Das war also damals eine wahnsinnig spannende Zeit. Heute hat sich Einiges eingespielt. Warum macht dir dein Beruf nach so vielen Jahren immer noch Spaß?

F. v. Drachenfels: Weil ich ihn liebe! Ich habe am Anfang, als ich vom Schmuck in der Form noch nicht leben konnte, viele Jahre in der Grafik gearbeitet. Da habe ich immer wieder festgestellt: Ich bin Handwerker! Ich bin Fan des Dreidimensionalen. Ich liebe es, wenn ich gearbeitet habe, ein vorzeigbares Ergebnis zu sehen. Wenn ich zum Beispiel, was ja auch häufig vorkommt, administrativ am Rechner arbeite, gehe ich abends oft mit einem unausgefüllten Gefühl nach Hause. Ich frage mich dann, was habe ich getan? Ich habe an diesen Tagen immer  unheimlich viel getan. Aber ich habe nicht das Gefühl etwas „hergestellt“ zu haben.

Dir ist also das „Werkstück“, dem du Seele einhauchst, das Gefühl  etwas getan zu haben, sehr wichtig?

F. v. Drachenfels: Ja, deswegen habe ich seinerzeit auch überlegt, ob ich Malerei oder Bildhauerei studieren soll. Ich komme aber einfach aus einer Schmuckfamilie. Ich  bin im Atelier großgeworden und habe schon als Kind mit Steinchen und Ringchen  „gearbeitet“. Und im Prinzip ist für mich goldschmieden  „Mini“-Bildhauerei.

Filigranere Bildhauerei  eigentlich, oder?

Der Froschkönig inspirierte Franziska zu diesen Schmuckstücken.

Der Froschkönig inspirierte Franziska zu diesen Schmuckstücken.

F. v. Drachenfels: Nein  das denke ich nicht. Es gibt durchaus Bildhauer, die genauso filigran arbeiten. Es hat den Unterschied, dass ich zu sehr Handwerkerseele bin. Ich wollte am Ende nie einfach „nur“ Kunst machen. Für mich ist ein ganz wichtiger Teil meiner Arbeit, dass mein Schmuck getragen wird. Das ist mir wirklich wichtig. Das war dann auch die Entscheidung nicht nur künstlerische Einzelstücke zu fertigen, die in Galerien und Kunstaustellungen unter Glas sind. Ich mache ganz bewußt Kleinserien. Für mich ist es einfach heute noch ein tolles Gefühl, wenn ich Menschen begegne, die meinen Schmuck tragen.

Sprichst du die Menschen dann auf ihren schönen Schmuck an?

F. v. Drachenfels: Ja, die Leute fühlen sich von mir wahrscheinlich manchmal echt „gestalkt“, wenn ich jemanden im Cafe sehe und dann hingehe und sage: „Oh, sie haben aber eine tolle Kette an!“ Gibst du dich dann zu erkennen? F. v. Drachenfels: Nein! Never! Aber es freut mich, wenn die Frauen, meistens sind es ja Frauen, dann sagen:“ Ja das ist Drachenfels! „ und mir ihre Geschichte zu ihrem Schmuck erzählen. Darüber freue ich mich ebenso, wie über  Bilder, die wir oft geschickt bekommen. In solchen Momenten habe ich das Gefühl,  ich habe den Menschen erreicht. Ich habe dann das Gefühl, da schwingt etwas.

Du erzählst also gerne Geschichten mit deinem Schmuck und du hörst sie auch gerne.

F. v. Drachenfels: Ja genau! Das Eine ist das Erzählen aber die andere Seite der Medaille ist der Mensch, der den Schmuck mit Leben, mit Schwingung ausfüllt. Das muss ja auch gar nicht mehr die Geschichte sein, die ich erzählt habe. Sondern du merkst auf einmal, wenn du mit den Menschen redest, der Schmuck hat jetzt eine ganz eigene Schwingung, eine ganz eigene Geschichte und das ist dann spannend, finde ich. Und das ist genau der Grund warum „ich“ getragen werden wollte. Mein Schmuck sollte nicht in Vitrinen stehen. Das war mir nie bodenständig genug.

Woher nimmst du die Inspiration für deine außergewöhnlichen Designs?

F. v. Drachenfels: Oh! Das ist sie wieder, die gefürchtete Frage (lacht). Für mich gibt es die „Inspiration“  nicht. Es gibt kein, ich inspiriere mich hier oder dort. Was am Ende zählt ist, wie du die Welt anschaust. Ich könnte jetzt hier erzählen: Du musst reisen und Urlaube machen und viel von der Welt sehen. Für mich stimmt das nicht. Natürlich hilft das und ist schön. Aber das „Geheimrezept“ mich inspirieren zu lassen ist es nicht. Am Ende kommt es einfach nur darauf an, welchen Blickwinkel du auf die Welt hast! Es gibt in jeder Situation in jedem Moment ein Detail, einen Mikrokosmos, eine Form, die einfach in sich stimmig ist. Für mich ist Inspiration sicher keine Party und keine Großstädte. Für mich ist Inspiration zur Ruhe kommen, spazieren gehen und ein Blatt ansehen, das plötzlich vor dir auf dem Boden liegt und du sagst dir, Wahnsinn, was hat das für eine schöne Form. Das kann auch eine Kathedrale in der Toskana sein.  Das kann ein Buch sein. Es muss nicht mal direkt eine Form sein. Ein Film kann Inspiration sein. Ein Gefühl oder ein Gespräch. Eigentlich ist es total egal. Du musst dich nur offen machen für Inspiration. Also ist doch das ganze Leben Inspiration. F. v. Drachenfels: Ja, das ganze Leben. Auch, und vielleicht sogar besonders, ganz viel Schmerz, tragische Momente.  Den haben wir einfach Alle. Du musst ihn aber auch zulassen können. Ich würde fast sagen meine, gefühlt, besten Entwürfe sind immer aus Verlust oder besser aus Neuanfang entstanden. Neuanfangen, Loslassen, Neuentdecken, sich innerlich wieder zentrieren. Das hat sehr viel kreatives Potenzial.

Dann steckt in deinem Schmuck ja deutlich mehr von dem Menschen Franziska, als man auf den ersten Blick, vielleicht auch noch auf den zweiten Blick vermuten möchte.

F. v. Drachenfels: Das ist sicher richtig. Wenn ganz gravierende Dinge in meinem Leben passiert sind, hat mir mein Schmuck immer geholfen wieder zu mir zu finden. Wenn ich heute die Kollektionen der letzten 25 Jahre ansehe, würde ich fast sagen, das war meine Therapieform. Ich könnte dir heute ganz klar anhand meiner Kollektionen meine einzelnen Lebensabschnitte erzählen. Aber das ist mir in dem Moment nicht klar. Das sehe ich erst im Nachhinein. Und ich denke das merken die Trägerinnen meinem Schmuck auch an. Die ehrliche Emotion.

Wie du gesagt hast. Der Schmuck schwingt!

Herz mit Frosch von Franziska von Drachenfels

Herz mit Frosch von Franziska von Drachenfels

F. v. Drachenfels: Ja, das glaube ich einfach! Ich glaube auch, dass das den Menschen, die Drachenfels Schmuck tragen wichtig ist. Schmuck, der schwingt, ist auch nachhaltig produziert, oder? F. v. Drachenfels: Bei Drachenfels Design bedeutet nachhaltig produziert, ehrliche Materialien, ehrliche Arbeit und im Prinzip leben wir das ganz einfach dadurch, dass wir unseren Schmuck mit Liebe in Deutschland produzieren. Das bedeutet der Schmuck wird hier in Pforzheim hergestellt. Hier sitzen Menschen an der Werkbank. Drachenfels Schmuck ist genau das was er scheint. Und nicht irgendetwas Vorgegaukeltes.

Was bedeutet denn vorgegaukelt?

F. v. Drachenfels: Im Drachenfels Schmuck wird nicht irgendein Glasstein verarbeitet, der durch seine Farbe so tut, als sei er ein Amethyst oder Topas oder Mondstein Diese Stein kaufe ich selber. Ich bin selber eine große Bewundererin von Edelsteinen. Früher durfte ich nie alleine losgehen, um Steine zu kaufen. Die zogen mich magisch an und wurden unweigerlich zu viele (lacht). Wahrscheinlich artet das bei mir so aus, wie bei anderen Frauen die sprichwörtlichen Taschen und Schuhe. Bei Edelsteinen kann bei mir der Verstand wirklich total aussetzen. (schmunzelt, und man mag es ihr fast glauben)

Wegen der Schönheit oder auch wegen der Aussage des Steines?

F. v. Drachenfels: Ich empfinde Steine als Wunder. Und ich glaube an die verschiedenen Energien der Steine. Ich bin mir auch sicher, dass die spürbar sind. Das klingt immer esoterisch. Aber ist mittlerweile auch pysikalisch beweisbar. Durch ihre unterschiedlichen  kristallinen Strukturen haben die verschiedenen Steine verschiedene Auswirkungen auf Energiefelder. Physikalisch mess- und beweisbar. Auch einen Menschen kann man als Energiefeld sehen. Und daher sind die Auswirkungen auch auf den Menschen nachgewiesen. Ohne jede Esoterik. Dabei ist allerdings ganz wichtig, dass der Stein in seinem Ursprungszustand ist. Die kristalline Struktur muss offen und erhalten sein. Der Stein darf also weder geölt, noch bestrahlt sein.

Ist das denn eine Ausnahme?

F. v. Drachenfels: Ja in der klassischen Schmuckindustrie steht „Echtstein“ im Katalog. Das stimmt auch, was das Material angeht. Aber es wird einfach ein geölter Edelstein verwendet, um eine nicht ganz so leuchtende Farbe leuchtender zu machen. Mit der Ölung wird jede Pore des Steines geschlossen,  zumal immer künstliche Paraffinöle verwendet werden, und der Stein verliert seine energetische Kraft. Dieser „echte“ Stein hat für die Trägerin leider keinen Mehrwert im Vergleich zum Glasstein.

Zum Thema Edelsteine wird ja viel diskutiert. Weißt du denn, wo die Steine herkommen, die bei Drachenfels Design verarbeitet werden?

F. v. Drachenfels: Ja klar! 90% kommen aus Indien. Aus einer Mine, die ein Familienbetrieb ist. Diese Familie zähle ich mittlerweile zu meinen Freunden. Ich fliege dort  auch regelmäßig hin. Das ist zum einen eine Frage der persönlichen Bindung und zum anderen auch eine Art Kontrolle. Wobei ich mir mittlerweile sicher bin, dass ich nichts mehr kontrollieren muss. In der Mine arbeiten der Inhaber, seine Frau und die erwachsenen Söhne. Mit 10 bis 15 Mitarbeitern. Er ist selber ein richtiger Steinfetischist. Die Steine, die ich nicht aus seiner Mine bekomme, kauft er für mich und nach meinen Maßstäben auf. Er kennt meine Grundsätze und geht damit auch verantwortungsvoll um. Ich und damit auch die Drachenfels Kunden können somit sicher sein, dass die Steine ohne Kinderarbeit und unter fairen Bedingungen zum Schmuck werden. Der Kunde kann nicht die Bedingungen kontrollieren. Das ist die Verantwortung der Hersteller. Drachenfels nimmt diese Verantwortung an. Ich finde es auch für mich wichtig zu wissen, dass die Materialien, die wir verarbeiten aus guten Händen kommen. Es geht heute nicht mehr um das zwölfte Schmuckstück. Es geht vielmehr um einen Geist, der mittlerweile auf der ganzen Welt anzutreffen ist. Diese Menschen mit einem Geist, der an morgen denkt zu treffen, und nur mit solchen Menschen geschäftlich in Verbindung zu treten, ist mir wichtig. Und dieser Geist soll auch in jedem Drachenfels Schmuckstück leben.

Heißt das für die Kunden dann vielleicht auch lieber statt vier Stücke eines kaufen? Eines von dem sie die Geschichte kennen?

F. v. Drachenfels: Sicher! Jeder Mensch hat  ja auch einfach nur zwei Hände und vier Ringe sehen besch.. aus (lacht) wobei mir da gerade ein Erlebnis einfällt, das ich auf einer meiner Ausstellungen hatte: Damals kam eine Kundin, die hatte vermutlich mir zuliebe einfach allen Schmuck angezogen, den sie von Drachenfels hatte. Die  Frau war Gärtnerin und hatte einen ganz tollen Blumenhandel. Eine tolle Frau! Wir haben uns im Laufe des Abends lange unterhalten. Diese Frau hatte durch ihren Beruf richtige „Handwerkerhände“ Das hat mir gefallen. Und an diesen Händen vier Ringe von Drachenfels. Skuril irgendwie. An diesen ehrlich abgearbeiteten Händen aber auf eine ganz spezielle Art wunderschön!

Beschreibt diese Geschichte vielleicht auch ein bisschen das Gefühl zu den Trägerinnen deines Schmuckes?

F. v. Drachenfels: Ja, wenn ich auf Ausstellungen bin und mich mit den Drachenfels Kundinnen unterhalte, merke ich, das sind allermeistens ganz tolle Frauen, die mit beiden Beinen im Leben stehen. Sicher ihre Geschichte haben und gelernt haben, wie ich auch, das Leben positiv und mit Freude anzugehen. Ich habe das Gefühl, dass mein Schmuck von Menschen getragen wird, die sich durchaus Gedanken über unsere Welt machen. Das gibt mir das gute Gefühl, dass mein Schmuck wohl auch das weitergibt, was ich mir beim Herstellen gedacht habe. Und ich habe das schöne Gefühl, dass jedes Schmuckstück, das das Drachenfels Atelier verläßt in gute Hände kommt. Das ist für mich irgendwie wichtig und macht meine Arbeit  für mich sinnvoll.

Ich habe hier jetzt ein Atelier gesehen, das so liebevoll eingerichtet ist, wie ein Wohnzimmer. Hier fühlt man sich auf den ersten Atemzug wohl. Welche Rolle spielt die Arbeitsumgebung für dich und deine Mitarbeiter?

F. v. Drachenfels: Eine ganz große Rolle! Die „Wohnzimmeratmosphäre“  habe ich hier ganz bewusst geschaffen. Mir ist ein persönliches Arbeitsumfeld sehr wichtig. Ich persönlich arbeite sehr viel. Ich lebe also auch hier, verbringe wahrscheinlich mehr bewusste Lebenszeit im Atelier als zu Hause  und dementsprechend soll mein Atelier für mich und die, mit denen ich arbeite auch eine Art Wohnzimmer sein.  Ich bin fest davon überzeugt, dass in angenehmer Umgebung sowohl ich als auch meine Mitarbeiter lieber arbeiten. Für mich sind meine Mitarbeiter wie Familienmitglieder. Ich möchte, dass es uns gutgeht und auch, dass wir unser Potenzial komplett entfalten. Und das geht meiner Meinung nach einfach nur in angenehmer Umgebung. Das ist auch ein Stück weit unsere Philosophie. Hier soll jeder die Möglichkeit haben sich menschlich zu entfalten. Natürlich sind wir eine Firma. Natürlich gibt es auch unangenehme Dinge. Aber im Großen und Ganzen merkst du, dass die Menschen hier morgens gerne reinkommen und auch gerne arbeiten. Vielleicht  haben wir hier deswegen auch sehr viele Menschen, die schon fast von Anfang an dabei sind. Oder auch ganz viele junge Leute, die hier ausgebildet wurden.

Das heißt ihr übernehmt in der Regel auch die Azubis?

F. v. Drachenfels: Ja! Wenn es geht übernehmen wir die Azubis. Wir hatten auch noch keinen, der gehen wollte. Wir hatten aber schon den Fall, dass wir Azubis lange nach Abschluss der Ausbildung irgendwann „rausgeschmissen“  haben, damit sie ihren Weg gehen können. Im kreativen Handwerksberuf ist es manchmal einfach ganz wichtig, dass man etwas von der Welt sieht und auch verschiedene Arbeitsweisen kennenlernt. Ich habe das dann so gesehen, dass der junge Mensch, ähnlich wie ein kleines Kind, nicht nur in „Gebärmutters Blase“ sitzenbleiben kann. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ein junger Mensch unterschiedliche Realitäten gesehen haben muss, bis er findet, was ihm wirklich entspricht und ihn glücklich macht.

Zu deinen Mitarbeitern hast du ja auch noch eine Familie. Wie schaffst du es als Geschäftsfrau und Mutter, alles unter einen Hut zu bekommen?

F. v. Drachenfels: Das ist schwierig! Das frage ich mich auch oft. Das ist mir auch immer noch nicht klar. Für mich geht das leider nicht ohne schlechtes Gewissen. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, das klappt alles reibungslos. Ich habe einfach immer das Gefühl, dass ich eine Seite Geschäft oder Familie gerade vernachlässige.  Was mir jetzt in letzter Zeit klar geworden ist, ist dass ich Firma und Familie nur deswegen so gut gebacken bekomme, weil ich eigentlich mich permanent vernachlässige. Das ist der Punkt, wo ich im Moment so einsetze und sagen kann jetzt sind meine Kinder aus dem Gröbsten raus und ich muss jetzt langsam schauen, dass ich meine Energie ganz gleichmäßig auf drei Beine stelle. Die Familie, die Firma und eben auch ich selber. Ganz gleichmäßig wird sicher nicht funktionieren. Aber ich merke, auch ich brauche ab und zu ganz dringend Momente,  die mir gehören.

Warum ist dieses schlechte Gewissen so ein frauenspezifisches Problem?

F. v. Drachenfels: Weil wir da am Ende einfach immer noch in einer Rolle sitzen und am Ende mit diesem Thema Emanzipation lange noch nicht so weit sind, wie wir glauben zu sein. Wir Frauen in uns selber? F. v. Drachenfels: Das ist ja ein Bild, mit dem bist du groß geworden, ich groß geworden. Meine Mutter war auch noch zu Hause und hat dann später mal einen Halbtagsjob gemacht. Da gab es bei mir schon ganz ehrlich brenzlige Momente für mich. Allerdings sagt meine Tochter, für sie war es gut so. Sie hat natürlich durch das Frauenbild, das sie vermittelt bekommen hat, die Möglichkeit, später vielleicht einmal das schlechte Gewissen außen vor zu lassen. Für meine fünfundzwanzigjährige Tochter hat sich aus der Form wie sie aufgewachsen ist, viel Freiheit und viel Selbstbewusstsein ergeben. Das erklärt sie mir. Und das relativiert für mich natürlich Einiges. Wichtig ist in jedem Fall sich immer wieder  zu besinnen und den Kindern die Zeit, die da ist, bewusst zu widmen.

Familie ist ja auch dein Mann, der Türke ist. Beeinflusst die türkische Kultur dich?

F. v. Drachenfels:  Das ist schwer zu beantworten. Eigentlich fühle ich mich weitaus mehr von der asiatischen Kultur beeinflusst. Wobei ich auch durch meinen Mann schon erkenne, dass jede Kultur ihren Reiz hat. Mit dem muslimischen Frauenbild habe ich sicher meine Probleme aber an der islamischen Kultur liebe ich das, was wir uns unter 1001 Nacht vorstellen. Diese famose Geschichtenerzählung diese Üppigkeit. Das Schwelgen in Sinnlichkeit. An der asiatischen Kultur mag ich die Ruhe. Das ist für mich die bedachtere Kultur, in sich zurückgezogen, ausgeglichen. Für mich ist einfach jede Kultur spannend. Im Moment fange ich beispielsweise an mich näher mit der nordischen Kultur zu beschäftigen. Für mich ist die Welt groß und bunt und ich möchte mich nicht festlegen und auch nicht festlegen lassen. Jeder Platz hat etwas, das ich mitnehmen kann aber auch etwas, von dem ich mir sage, so will ich das nicht haben. Aber um die Frage zu beantworten (lacht): Für mich ist eine multikulturelle Familie eindeutig eine Bereicherung. Ich genieße dieses kulturübergreifende Leben und wir versuchen auch für unseren Sohn zu realisieren, dass er aus beiden Kulturen alles rausnehmen kann.

Ich habe gehört er spricht auch türkisch mit deinem Mann.

F. v. Drachenfels: Ja klar! Nur so können wir ihm ermöglichen auch mit seiner Familie in der Türkei vernünftig zu kommunizieren.  Meine Tochter überlegt jetzt gerade ihr Praxisjahr als Ärztin in Istanbul zu absolvieren. Beide Kinder sind sehr offen für andere Kulturen. Und noch einen sehr positiven Aspekt hat dieses Kultur erleben. Wenn du viel andere Kultur erlebst wirst du sehr dankbar und demütig gegenüber der Kultur,  aus der du kommst. Ich empfinde es heute als sehr große Gnade, die ich nicht erarbeitet habe, hier geboren sein zu dürfen. Welche Rolle spielt Religion in deinem Leben? F. v. Drachenfels: Eine große! Ich habe sie erstmal ganz kräftig abgelehnt. Bin richtig in die Opposition gegangen. Kirchenaustritt und so fort. Ich habe auch nach wie vor ein Problem mit der Institution Kirche. Ich habe mir aber alle Religionen sehr genau angesehen. Und mir vielleicht die Essenz gezogen. Ich selber würde mich als gläubigen Menschen bezeichnen. Allerdings nicht abhängig von einer Religion. Vielleicht liegt mir der Buddhismus am Nächsten. Aber zum Glück muss ich ja nicht entscheiden (lacht). Für mich hat alles seinen Sinn. Das habe ich ganz oft auch in meinem Leben erfahren.

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  1. Das Atelier von Drachenfels Design in Pforzheim - 29. November 2013

    […] wir mit unserem Interview. Und da dieses Interview so umfangreich geworden ist, werde ich euch Franziska und ihre Vision von Schmuck, Glück und einem liebenswerten Leben in einem eigenen Beitrag in Kürze […]

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