Bianca und Oliver Kleine, die Köpfe hinter Leonardo Glas im Interview

Bianca und Oliver Kleine die Inhaber von Leonardo Glas im Interview mit Spendenhandel

Leonardo ist ein weltweit tätiges und weltweit bekanntes Unternehmen. Bianca und Oliver Kleine führen das Unternehmen in der alten Tradition des Familienunternehmens. Jetzt eröffnete Leonardo die Manifattura in Bad Driburg, dem Stammsitz des Unternehmens. Die Manifattura ist zum Einen eine Kunst- und Kulturbegegnungsstätte, die allen Interessierten die Wurzeln des alten Glashandwerkes wieder näher bringen wird und zum Anderen eine Fundgrube für Schönes aus aller Welt. Natürlich verantwortungsvoll produziert. Kirsten von Spendenhandel traf die beiden Familienmenschen im Rahmen der Eröffnung und sprach mit ihnen über ihre Pläne und Visionen.

Kirsten:

Liebe Familie Kleine, wir sitzen hier in der neu eröffneten Manifattura, genau gegenüber dem alten Holzwagen, mit dem ihre Vorfahren Herr Kleine schon lange vor der Industrialisierung Glas aus Bad Driburg weit über die Grenzen Deutschlands zu den Menschen brachten. Heute ist der Pferdewagen ein Teil der neuen Manifattura. Wie lange ist es her, dass der Wagen im Einsatz war?

Der alte Pferdewagen Wurzel des Erfolgs von Leonardo Glas. Heute Teil der neuen Mannifattura in Bad Driburg

Der alte Pferdewagen Wurzel des Erfolgs von Leonardo Glas. Heute Teil der neuen Mannifattura in Bad Driburg

Oliver Kleine:

Da handelt es sich um eine Geschichte, die schon weit über 150 Jahre zurückliegt. Das war damals ein wahres Abenteuer mit diesem, von zwei Pferden gezogenen Wagen, über die Westgrenzen bis nach Holland zu kommen und über die Ostgrenzen bis nach Polen. Dafür waren die Kutscher damals natürlich wochenlang unterwegs. Mit der heutigen modernen Technik ist es nicht mehrt vorstellbar, dass für meine Vorfahren sogar ein Berg mit dem Holzwagen zum Hindernis wurde. Um den Berg zu überwinden mussten sich die Kutscher von den anliegenden Bauern nocheinmal zwei Pferde ausleihen, um dann den Wagen von vier Pferden gezogen über den Berg zu bekommen. Diese und noch einige mehr ähnlicher Historien haben wir hier im historischen Museum auch dokumentiert.

Kirsten:

Heute ist Leonardo ein Unternehmen, das weltweit agiert.Der Schwung, die Wolke, das einfach Besondere ist verbunden mit alter Liebe zum Glas. Wie schifft man ein gewachsenes Familienunternehmen durch stürmische Zeiten und macht es zur Lebensart?

Oliver Kleine:

Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Wir sind ein Familienunternehmen und unsere Vorfahren sind immer Pioniere gewesen. Das heißt immer auf der Suche danach neue Wege zu gehen. Ich glaube, was in dieser Generation anders ist, ist dass bis dato immer die Männer diejenigen waren, die in der Öffentlichkeit, das Unternehmen und die Ideen nach vorne gebracht haben. Die Frauen hielten sich eher im Hintergrund. Obwohl sie sicher einen großen Anteil daran hatten, dass die Männer ihre Visionen auch umsetzten. Wir, meine Frau Bianca und ich gehen diesbezüglich ganz bewusst neue Wege. Wir beide lieben das Unternehmen, die Marke Leonardo, so sehr, dass wir auch in der Öffentlichkeit gemeinsam dafür einstehen. Wir freuen uns gemeinsam über jeden Teilerfolg, über jeden kleinen Schritt, der uns unseren Zielen näher bringt. Für das Unternehmen ist das nur positiv. Biancas Handschrift ist ganz deutlich überall dort zu sehen wo es um Umsetzung und Verkauf und vor allem um die Darstellung der Marke Leonardo geht. Meine Schwerpunkte liegen im Design und in der Konzeptionierung. So ergänzen wir uns perfekt. Bianca und ich sind nicht nur im Unternehmen ein tolles Team und das war klar seit wir uns gefunden haben.

Kirsten:

Wie lange haben sie sich denn schon gefunden?

Bianca Kleine:

Ich habe meine Ausbildung vor zwanzig Jahren hier im Hause begonnen. Im Laufe der Zeit habe ich alle Bereiche des Unternehmens kennengelernt. Meine Profession ist es ganz klar heraus zu kristallisieren, was der Wunsch unserer Kunden ist. Es ist wichtig, dass wir auf die Bedürfnisse unserer Kunden eingehen. Natürlich immer mit unserer Handschrift. Leonardo ist eine Marke, die hauptsächlich Frauen als Kunden hat.

Oliver Kleine:

Das ist der Punkt. Bianca kann sich natürlich viel besser in unsere Kundinnen hineinfühlen als ich. Und sie kann unseren Kundinnen auch einfach besser erklären, was Leonardo wirklich ausmacht! Ich bin da oft sehr stolz auf meine Frau und sehr dankbar.

Bianca Kleine:

Danke! Ja eines meiner Anliegen ist es nach so vielen Jahren Unternehmensgeschichte immer noch das Besondere, den Schwung von Leonardo in die Wohnzimmer bringen zu können.

Kirsten:

Leonardo hat seinen Sitz immer noch in Bad Driburg. Sie haben auch einen der alten Glasöfen wieder angeworfen. Welche Rolle spielt Leonardo für die Glasstadt Bad Driburg und Bad Driburg für Leonardo?

Eine Vase im Brennofen in der Manifattura in Bad Driburg

Eine Vase im Brennofen in der Manifattura in Bad Driburg

Oliver Kleine:

Ich glaube Leonardo braucht Bad Driburg genauso wie Bad Driburg Leonardo braucht. Wir sehen auch mit der Wiederinstandsetzung dieses alten Stammsitzes eine große Chance für Leonardo und Bad Driburg. Es war sehr schön jetzt bei den Bauarbeiten, die wir beide aber vor allem Bianca mitgestalteten, auch wieder zu unseren Wurzeln zurückzufinden. Die Manifattura ist in ihrer Einrichtung nicht nur an die alten Räume angelehnt sondern wir haben unsere Vorstellung auch die alten Materialien einzusetzen gut umgesetzt. So sind beispielsweise die Regale die alten Regale, die seit den 1920er Jahren in unseren Lagerhallen standen. Wir wollten nicht neu kaufen. Sondern wirklich unsere Wurzeln und die des Unternehmens unterstreichen.

Bianca Kleine:

Leonardo ist heute eine Marke mit hohem Bekanntheitsgrad. Es gab immer wieder Mal Überlegungen auch hier am Stammsitz Leonardo in neuer Form zu präsentieren. Die Überlegung den Stammsitz wieder zu vermieten haben wir schnell verworfen weil wir der Stadt Bad Driburg und ihren Menschen etwas zurückgeben wollten. Wenn man erfolgreich ist und das seit sovielen Jahren in einer Stadt, hat man Bezug zu den Menschen. Viele haben hier gearbeitet. Wir haben Mitarbeiter in der Firma, die schon mit uns von hier in den neuen Stammsitz umzogen. Was lag da näher als sozusagen Ahnenforschung zu betreiben und den alten Stammsitz für die Menschen zu öffnen.

Oliver Kleine:

Das ist eben das Tolle! Wir öffnen unser Stammhaus für die Menschen, die schon seit Generationen mit Leonardo in Berührung sind. Teilweise arbeiteten aus einer Familie drei Generationen bei uns. Wir hatten da jetzt ganz tolle Erlebnisse. Frühere Mitarbeiter, die heute schon lange in Rente sind kamen und erzählten von früher. Das waren Geschichten, die wir ohne unser “zurück zu den Wurzeln” Projekt niemals erfahren hätten. Denn da ging es um Zeiten, die ich nicht bewusst erlebt habe. Es ist schön zu sehen wie gerne die Menschen hierherkommen. Die Mischung aus der neuen Marke Leonardo und der alten Familien- und Firmentradition öffnet uns im Moment wirklich aufs Neue die Augen. Wir sehen wie wichtig es ist neue Inhalte mit gewachsener Tradition zu verbinden. Wir sehen auch, dass das die Menschen hier genauso begeistert wie uns. Ich habe mich zum Beispiel gerade mit einem alten Glasmacher unterhalten, an den erinnere ich mich übrigens noch als ich ein kleiner Junge war. Dieser ältere Herr kam auf mich zu und fragte ob er mal sein Werkzeug mitbringen dürfe weil er schon seit Jahren etwas im Kopf hätte, das er gerne mal ausprobieren würde. Ich freute mich natürlich sehr und jetzt wird er ganz bald mal hier am Glasofen arbeiten. Das ist doch schön! Zufällig und schön! Durch den vielen Input von Außen haben wir auch wirklich schon viele Ideen für unsere Manifattura.  Auf die immer wieder wechselnden Kunstausstellungen freue ich mich besonders. Es wird hier immer wieder Neues zu entdecken geben.

Kirsten:

Ich habe hier in der Manifattura Dinge gesehen, die ich so noch nie gesehen habe. Zum Beispiel Haken, die sich wie Kunststoff anfühlen aber aus gepresstem Gras sind. Sie riechen nach Heu. Wir sitzen hier auf Palettenmöbeln, die von einem kleinen Recycling Startup sind. Wie wichtig ist es ihnen neuen Ideen ein Forum zu geben?

Haken aus gepresstem Gras. Haptisch wie Kunststoff. Gefunden in der Manifattura von Leonardo

Haken aus gepresstem Gras. Haptisch wie Kunststoff. Gefunden in der Manifattura von Leonardo

Oliver Kleine:

Das ist fundamental wichtig! Wir reisen berufsbedingt viel durch die Welt und sehen immer wieder mal ganz neue Ideen. Diesen Ideen möchten wir hier eine Plattform bieten. Es ist schön, dass das jetzt in der Manifattura so möglich ist. Denn Leonardo steht ja schon für Neues und Frisches. Jetzt haben wir eine Möglichkeit auch auf gute fortschrittliche Ideen, die nicht aus unserem Haus kommen, hinzuweisen. Das macht dann eben auch die Manifattura aus. Denn wir wissen selber nicht, was wir nächste Woche, wenn wir wieder unterwegs sind, finden werden. Die Menschen werden hier immer etwas Besonderes finden können.

Kirsten:

Familie Kleine, sie sind ein sehr erfolgreiches, visionäres Unternehmerpaar. Sie haben miteinander zwei Kinder. Worüber sprechen sie am Frühstückstisch?

Bianca Kleine (lacht):

Über Alltägliches genauso wie über Dinge, die das Unternehmen betreffen. Das fließt bei uns natürlich auch alles ineinander. Aber es ist für uns keine Last sondern das ist ein Segen. Wir machen alles mit Herzblut es macht uns unheimlich viel Spaß. Von daher ist das Unternehmen in unserem privaten Leben einfach integriert. Wenn wir mit den Kindern Ausflüge machen fallen uns Allen, selbst den Kindern, Dinge auf, die man auch mit Glas verbinden könnte. Das ist nicht belastend. Es gehört einfach zu unserem Leben dazu.

Kirsten:

Herr Kleine von ihnen kam der Satz: “Wir müssen uns verändern um wir zu bleiben!” Unsere Zeit ändert sich dauernd. Welche beständigen Werte vermitteln sie beide den Kindern?

Oliver Kleine:

Unsere Kinder sollen in erster Linie  frei aufwachsen. Vermitteln heißt für uns Vorbild sein. Wir sind insofern Vorbild, dass wir den Kindern vorleben, dass man seine Umgebung, egal ob Mensch oder Gegenstand wertschätzt. Wir vermitteln den Kindern durch unser Leben, dass man nichts einfach so geschenkt bekommt, sondern immer etwas dafür tun muss. Natürlich ist es ganz wichtig, dass unsere Kinder Grundsätzliches lernen, damit sie auch für die große Welt gewappnet sind.

Kirsten

Frau Kleine, gestern, als sie über das tolle Team sprachen, strahlten ihre Augen. Es scheint in diesem Unternehmen viel Platz für Menschlichkeit zu geben. Woran kann ich das festmachen?

Bianca Kleine:

Menschlichkeit lässt sich in erster Linie ja immer daran erkennen wie man miteinander umgeht. In unserem Unternehmen gehen alle sehr herzlich miteinander um. Wir haben sehr flache Hirarchien. Wir achten darauf, dass alle auf Augenhöhe sind. Ganz wichtig ist uns auch, dass sich Jede und Jeder einbringen kann. Viele der Ideen, die wir mittlerweile umgesetzt haben, kamen ursprünglich von unseren Mitarbeitern. Wir honorieren das dann mit Preisen. So wissen unsere Mitarbeiter auch immer, dass wir es toll finden, wenn sie mit ihren Ideen auf uns zu kommen. Ich habe jetzt bei der Eröffnung der Manifattura erst wieder gesehen, wie groß der Zusammenhalt ist. Und das macht dieses Unternehmen einfach aus. Wir stehen alle füreinander ein. Besonders gut lässt sich das immer erkennen, wenn wir unser jährliches Adventstreffen der ehemaligen Mitarbeiter haben. Diese älteren Herrschaften freuen sich so enorm wieder in die Firma zu kommen, sich gegenseitig wiederzutreffen, aber auch  darüber mal wieder mit uns zu sprechen. Das ist jedes Jahr aufs Neue schön mitzuerleben.

Kirsten:

Dem Unternehmen und ihnen geht es gut. Wie wichtig ist es ihnen dort zu geben, wo die Menschen nicht auf der Sonnenseite stehen?

Oliver Kleine:

Das ist uns sehr wichtig. Uns und unseren Mitarbeitern. So trinkt bei uns beispielsweise jeder Mitarbeiter seinen Kaffee für den guten Zweck.  Auch unsere jährliche Tombola geht an Einrichtungen, wie die Blindenschule hier in der Nähe. Außerdem haben wir jedes Jahr ein großes Projekt, das wir zusammen mit Regine Sixt verwirklichen. Dafür wird eine eigene Kollektion produziert, die pro Stück für wechselnde Projekte spendet.

 

 

 

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